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Montag, August 21, 2006

Plaut Kommentar überarbeitet

Ganz vergessen hier zu erzählen: Der große nicht-orthodoxe Kommentar zur Torah von Gunther Plaut wurde in seiner amerikanischen Originalausgabe grundlegend überarbeitet und verbessert. Der deutsche Kommentar orientiert sich noch an der alten Ausgabe [bei amazon erhältlich]. Die deutsche Ausgabe unterscheidet sich von der (alten) amerikanischen Ausgabe in vielerlei Hinsicht, nun veröffentlichte die URJ-Press eine Revised Edition mit vielen neuen Elementen die ein wenig an den konservativen Chumash Etz Hayim erinnert, der übrigens ein exzellentes Werk ist (1400 Seiten). Das Layout ist nahezu identisch und die Haftarot folgen nun tatsächlich auch den Paraschot (wie im Etz Hayim); denn diese sind nun tatsächlich auseinanderzuhalten. In der deutschen Ausgabe ist das noch immer etwas unübersichtlich. Zur russischen Ausgabe siehe meinen Artikel hier.

Einige „features” sind:
* Now divided by parashiyot
* Aliyot markers included in each parashah
* Haftarah follows each parashah
* Side-by-side English and Hebrew translation
* Gender-sensitive
* Clearer type, vowels, and cantillation marks
Den überarbeiteten hebräischen Text sollte man nicht unterschätzen! Wer dem Baal Korej helfen möchte, muß nicht immer auf eine andere Textausgabe zurückgreifen müssen, weil die Druckqualität des ansonsten liebgewonnenen Kommentars eher unterdurchschnittlich ist. Auch wenn die deutsche Ausgabe des Plaut wegweisend ist (weil es ansonsten ja auch keine moderne deutsche Torahausgabe gibt); sind abschnittsweise hebräische Passagen fast nicht lesbar. Der Text wurde offenbar nur eingescannt und in die Vorlage kopiert. Um einen kleinen Exkurs zu starten: Das ist sicherlich der Unfähigkeit moderner DTP-Programme geschuldet, mit Unicode umzugehen. Weder InDesign, noch FrameMaker sind in der Lage hebräischen Unicode-Text vernünftig anzuzeigen... was sehr ärgerlich ist. Wer Abhilfe weiß, kann sich natürlich gerne melden...

Diese Ausgabe reiht sich dann in die Liste der großen einbändigen Torah-Ausgaben ein. Da wäre der orthodoxe Artscroll-Kommentar: Die Stone Edition mit (natürlich) zahlreichen orthodoxen Anmerkungen und Kommentarauszügen aus bekannten halachischen Werken. Die Stone Edition ist ebenfalls in Paraschot eingeteilt, bring jedoch die dazugehörigen Haftarot in einem gesonderten Teil nach den Paraschot. Interessant sind Skizzen zu einzelnen Textpassagen. Wenn es um das Mischkan geht, dann sind Zeichnungen dazu in den Kommentar eingefügt; oder Kennzeichen koscherer Tiere. Daneben gibt es auch genealogische Tabellen, einen ausführlichen Anhang, in dem alle genannten Weisen und halachischen Werke kurz vorgestellt werden. Der hebräische Text ist von Artscroll natürlich neu gesetzt worden und deshalb ausgezeichnet lesbar. Auch in der kleineren Reiseausgabe. Mehr als die anderen genannten Ausgaben verkauft dieser Chumasch die vorgestellte Sichtweise innerhalb des Kommentars als einzig richtige. Die Quellenangabe hilft jedoch, sich selber mit dem Text auseinanderzusetzen und seine eigene Position zu finden und keine andere einfach zu übernehmen. Offenbar intendiert diese Art des Kommentars aber genau eben das.

Eine genauere Besprechung von EtzChayim aus diesem Blog findet Ihr hier.

4 Kommentare:

Anonymous Yonatan meint...

Das schlechte Druckbild des Plaut und übrigens auch von Seder HaTefillot ist mir auch schon aufgefallen. In diesem Sinne ist deine Behauptung, das ganze sei auf die Unfähigkeit der DTP-Programme mit Unicode umzugehen zurückzuführen, sehr interessant. Würde mich interessieren, ob dieses Problem auch bei Scribus (Linux) existiert.

4:03 nachm.  
Blogger Chajm meint...

Angeblich kann Scribus (gibt es ja auch für Windows und Mac) mit Unicode und neuerlich auch mit Rechts-nach-Links Texten umgehen... das wäre natürlich ganz gut.
Beim Seder haTeffilot hat man, denke ich, die hebräischen Texte aus der Originalausgabe ("Forms of prayer"(?)) kopiert und eingefügt. In GB wird derzeit übrigens an einem neuen Siddur gearbeitet...

4:21 nachm.  
Anonymous Anonym meint...

Wie wärs mit LaTeX?

"ein Jude"

8:26 nachm.  
Blogger Chajm meint...

Damit habe ich beispielsweise schon gearbeitet: Wenn man das in einem Verlagsumfeld einsetzen würde, könnte man sicherlich sagenhafte Ergebnisse erzielen. Vielleicht für die Projekte zu komplex?
Das wäre vielleicht auch der bessere Weg: zuerst fragen, was man tun möchte und dann das Werkzeug finden und nicht mit dem Werkzeug etwas tun wollen... aber jetzt rege ich mich nur wieder auf ;-)
Ich habe auch schon einige Passagen aus dem Siddur in ArabTeX (im hebräischen Modus) gesetzt und damals auch ein Makro programmiert, um Dagesh-Texte in Tex-Code zu überführen. Nachdem Word dann vernünftig mit Unicode umgehen konnte, habe ich es beispielsweise fast ausschließlich damit gemacht... Warum das die großen Verlage nicht schafften, weiß ich nicht...

9:54 nachm.  

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