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Montag, Mai 15, 2006

Wer ist der Spiel-Führer?

Wie zunächst auf Jewlicious » Football Macht Frei! zu lesen war, richtet die Stadt Tauberbischofsheim in einem ehemaligen Gefängnis und Internierungslager für die Juden der Stadt, ein „WM-Fandorf” ein. Dies berichtete wohl der Sunday-Mirror:
Live games will be beamed to 1,500 fans in the prison courtyard surrounded by barbed wire and searchlights.
The 19th Century Tauberbischofsheim jail was used by the Nazis to imprison rounded-up Jews before they were sent to Dachau concentration camp and killed.
But that doesn't deter organiser Michael Hofman, who says proudly: "Holding a fan camp in a prison is a unique idea which won't be repeated anywhere else in Germany."
Die örtliche Presse schildert das ganze etwas emotionsloser und hinterfragt die Geschichte des Gebäudes lieber nicht:
Die Welt zu Gast im "Knast" - unter diesem Motto laden die Stadt Tauberbischofsheim und die Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken während der Fußball-Weltmeisterschaft (9. Juni bis 9. Juli) die Fans in das ehemalige Gefängnis in der Schmiederstraße ein. Dort wird es im Fandorf während der gesamten WM mit der Übertragung aller Spiele und verschiedenen Veranstaltungen mächtig rund gehen (wir berichteten ausführlich).
Aber nicht nur das: In der Veranstaltungszone des "WM-Knasts" wird zusammen mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz ein "Platz der Toleranz" eingerichtet werden. "Sport verbindet", und das soll auch im Tauberbischofsheimer Fandorf deutlich werden. Dabei stehen Stichworte wie Antidiskriminierung, Weltoffenheit oder Integration im Mittelpunkt.
Auf der Homepage der Stadt Tauberbischofsheim kann man sich einen weiteren Bericht über die WM-Veranstaltung und den „Komm un den Knast Sonntag” anschauen... Schön, dass man noch Ideen zum Umgang mit Vergangenheit hat…

3 Kommentare:

Blogger Daniel meint...

well spotted.

4:32 nachm.  
Anonymous Stadt Tauberbischofsheim meint...

Stellungnahme der Stadt Tauberbischofsheim

Die in der Ausgabe am 14.5.2006 veröffentlichte Darstellung einer angeblichen Nutzung des früheren staatlichen Gefängnisses während des Zweiten Weltkriegs zur Sammlung, Verwahrung oder Internierung jüdischer Mitbürger vor einem Ab- oder Weitertransport nach Dachau oder an einen anderen Ort sind frei erfunden.

Das Gefängnis, das die Stadt für die Dauer der WM vom Land für ihr Fandorf anmietet, hat weder bei der Verfolgung noch bei Flucht oder Auswanderung irgendeine Rolle gespielt. Nach allen der Stadt verfügbaren Informationen und nach sorgsamer Sichtung aller Unterlagen und Schriften gibt es auch keinen Anlass, an diesem eindeutigen Ergebnis zu zweifeln. Die Stadt verurteilt daher den verantwortungslosen Umgang von Sunday Mirror mit der Geschichte und der Wahrheit. Die Grenzen eines vertret- und verantwortbaren Boulevard-Journalismus hat dieses Blatt damit weit überschritten.

Mit dem auf Unterhaltung und Völkerverständigung ausgerichteten Fandorf zur Fussball-Weltmeisterschaft 2006 erfährt das Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Gefängnis erstmalig eine andere Nutzung als dem Strafvollzug und als Haftanstalt zu dienen.

Eine zusammenfassende Darstellung zur jüdischen Geschichte von Tauberbischofsheim sind der Chronik Tauberbischofsheim von Müller/Gehrig (1997) sowie dem druckgelegten Vortrag von Johannes Georg Ghiraldin Die Juden im Tauberbischofsheimer Raum (2002) zu entnehmen.

3:08 nachm.  
Anonymous Timo meint...

An dieser Geschichte ist rein garnichts dran. Die Juden in Tauberbischofsheim wurden im Gasthof "Zum Badischen Hof" interniert. Und von dort aus durch die Stadt in den Mühlbach. Leider haben die Einwohner sich über den Artikel brüskiert, aber dass Tauberbischofsheimer Juden interniert und umgebracht worden sind, hat man bei der Gelegenheit nicht erwähnt.

1:27 nachm.  

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