/* Button ----------------------------------------------- */

Montag, Mai 08, 2006

Die jüdische Woche im Überblick...

Die Nachfolgediskussion um die Position des Zentralratsvorsitzenden wird in den Medien geführt, als ginge es um ein bundespolitisch sehr wichtiges Amt und die Kandidaten der Medien sind, in der Tat, prominente Köpfe der Republik. Eines zeichnet sich jedoch schon ab: Die Qualitätspresse sieht Salomon Korn vorn Jüdische Gemeinde Frankfurt: Die Russen sind da - FAZ und die Boulevardpresse wohl eher Michel Friedmann - stern.de. Zudem sprach Daniel Barenboim im Frankfurter Gemeindezentrum und die FAZ wundert sich darüber, dass die Zuhörer meinten, Barenboim habe nur Unsinn geredet.
Der Geehrte hat daraufhin in der Tat feste Überzeugungen vor allem seiner jüdischen Zuhörer in Frage gestellt, insbesondere die Überzeugung, daß das bisherige Scheitern des Friedensprozesses einzig den Palästinensern anzulasten ist. Doch ob Barenboim damit Meinungen gewandelt, gar eine Verbesserung erreicht hat? Viele der Zuhörer haben das nachher bezweifelt und einige sich sogar wütend beklagt, Barenboim habe größtenteils Unsinn geredet.
In der gleichen Gemeinde, in dem schon genannten Artikel „Die Russen sind da” wurde folgendes festgestellt:
Früher, da konnte faktisch jeder in der Gemeinde die „Hatikvah“ im Schlaf singen. Doch jetzt, da „die Russen“ mehr als ein Drittel der Gemeindemitglieder stellen, ist es nicht mehr so weit her mit den Hymnenkenntnissen. Für die jüdischen Männer und Frauen, die seit Beginn der neunziger Jahre aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks nach Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und in andere deutsche Städte gekommen sind, war nicht Israel das ersehnte Land, sondern Deutschland.
Dann wird geschrieben:
Sollte Korn - wofür einiges spricht - Nachfolger des verstorbenen Paul Spiegel als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland werden, würde er gewiß wie dieser dafür kämpfen, daß weiterhin Juden einwandern dürfen. Als es im vergangenen Jahr galt, den von den Innenministern geplanten Einwanderungsstopp zu verhindern, war sich der gesamte Zentralrat einig in seiner Forderung, daß die Tür offenbleiben müsse.
Aha... Die Latte für die Einwanderung hängt aber mittlerweile so hoch, dass man auch wie jeder andere Arbeitssuchende ins Land kommen kann. Das wird auch kurz angerissen:
Allerdings müssen sie jetzt deutsche Sprachkenntnisse nachweisen, müssen vom Bundesamt für Migration eine positive Integrationsprognose ausgestellt bekommen und aufnahmefähig sein in einer der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Letzteres beurteilt die Zentrale Wohlfahrtsstelle in Frankfurt.
Kommen wir zum Stern-Artikel über eine mögliche Nachfolge von Paul Spiegel. Im Chuzpe-Blog war die Grundthese des Artikels schon (leider ohne Quellenangabe) schon wiedergegeben worden: Michel Friedmann soll Zentralratsvorsitzender werden.
Der politischste und klügste Kopf, der überzeugendste Redner und gewiss der mutigste Jude Deutschlands aber ist Michel Friedman. Der Jahre zurückliegende Eklat hat den Frankfurter reifen lassen. Er legte alle Ämter nieder, hat geheiratet, wurde Vater. Nachdenklichkeit und Offenheit kennzeichnen heute den einst gelegentlich Überheblichen. Auf Dauer ist Friedman der natürliche Repräsentant der deutschen Juden.
Für mich ist der „mutigste Jude” Deutschlands derjenige, der jeden Tag für seine religiöse Überzeugung einsteht, mit seiner Familie einen tatsächlichen jüdischen Alltag lebt, ohne weich eingepackt zu sein in die finanzielle Sicherheit in der die üblichen öffentlichen Repräsentanten des Judentums in Deutschlands leben - von denen offenbar niemand besonders observant lebt. Ich will fast von einer speziellen Kaste sprechen, die die repräsentativen Ämter innehat. Schlomoh-Normaljude hat da nichts verloren und wird danach auch nicht gefragt. Das Amt ist darüber hinaus ja auch ein Amt, das nach innen wirken soll; so wie Paul Spiegel es getan hat, mit Respekt vor den Überzeugungen anderer Menschen. Die „mutigsten Juden” sind die, die mit Kippah auf dem Kopf ihren täglichen Geschäften nachgehen und damit dafür sorgen, dass sich vielleicht auch andere trauen das zu tun. Die „mutigsten Juden” sind die, die für jeden ansprechbar sind und bereitwillig und ausdauernd Auskunft erteilen über die einfachsten Grundlagen des Judentums... etc. etc.

4 Kommentare:

Blogger Daniel meint...

Schoen gesagt. Bis darauf das eigentlich diese rekigioesen Leute das nicht tum weil sie mutig sein wollen sondern es einfach so sein soll.

und...

Hey and what about my massive gold chain and huge Magen David on it? Count me in too dude!

7:07 nachm.  
Blogger The Jewropean meint...

Einen kleinen Unterschied gibt es noch: Für diejenigen, die die Hürden meistern, gilt zumindest kein Inländervorrang.

Barenboim, Avnery, Finkelstein... wenn sich nicht deutsche "Antizionisten" so gut hinter diesen Personen verstecken könnten, würde sie wohl niemand ernst nehmen. Frieden ist ja gut, aber ein weltfremder Philopalästinismus?

Und zur Nachfolgefrage: Wäre es nicht mal Zeit für jemanden aus der ehem. UdSSR?

8:16 nachm.  
Blogger Daniel meint...

p.s. oder uns Deutsche Juden im Exil wieder nach Deutchland zu locken...
75% meiner juedischen Schulfreunde aus Muenchen leben jetzt als Erwachsene im Ausland, dh. Israel, USA, GB oder andere Laender. Es leben die "deutschen Juden?"

12:29 vorm.  
Blogger Chajm meint...

Gute Frage: Wer sind diese deutschen Juden? Und warum verleugnen die Prominenten in Deutschland die auch jüdisch sind diese Tatsache? Das ist dann wohl das Gegenteil von mutig... Beispiele gibt es zahlreiche.

9:01 vorm.  

Kommentar veröffentlichen

<< Home