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Sonntag, März 12, 2006

Autoabgase in Synagoge bei Köln geleitet

Zur Zeit sieht es wohl so aus, als könnte jeder seinen Schabernack mit uns treiben. In die alte Synagoge von Pulheim-Stommeln leitet ein „Künstler” Autoabgase, Besucher können mit einer Sauerstoffmaske dann in die sogenannte „Gaskammer” gehen:
"Die provokante Kunstaktion blieb bis zuletzt geheim: Eine Synagoge bei Köln wurde am Sonntag zur „Gaskammer“. Der spanische Künstler Santiago Sierra leitete die Abgase aus den Auspuffrohren von sechs Autos in das frühere jüdische Bethaus von Pulheim-Stommeln."Nachrichten: Autoabgase in Synagoge bei Köln geleitet
Völlig zurecht sagte Zentralrats-Generalsekretär Stephan J. Kramer, er frage sich, warum die Ermordeten des Holocaust und nicht die Täter derart provoziert würden. Auch hier wird sich wieder niemand öffentlich dazu äussern:
Der Bürgermeister der rheinischen Kleinstadt, Karl August Morisse, mag nicht glauben, „dass sich jemand beleidigt fühlt, weil die Sinnhaftigkeit des Werks offenkundig ist“. Er biete allen Kritikern die Diskussion über das drastische Kunstwerk in seiner Stadt an. Gegenüber dem „monströsen“ Massenmord an den Juden sei.
Allen anderen, die sich vielleicht doch melden wollen, schlage ich folgende Koordinaten vor:
Rathaus Pulheim,
Alte Kölner Straße 26, 50259 Pulheim,
Telefon 02238-808-0, Fax 02238-808-345,
e-Mail: stadtpulheim@pulheim.de

Update: Immer mehr Online-Medien und Zeitungen stürzen sich auf das Thema und zahlreiche Leser, Bekannte und Freunde haben mittlerweile e-mails an das Rathaus in Pulheim gesendet. Der Stern beschmückt den Presseartikel noch mit fragwürdigen Bildern:

10:35 Uhr heute: Ralph Giordano verlangt Abbruch der Kunstaktion in ehemaligem jüdischen Bethaus
Aber ich wiederhole, ich bin sprachlos. Und dem Bürgermeister von Pulheim-Stommeln - ich höre, dass er Karl August Morisse heißt - der da von einem drastischen Kunstwerk redet, dem rate ich dringend, dem Spuk ein rasches Ende zu bereiten. Und all denen, die über diese Aufforderung von mir die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denen rate ich, ihre Einstellung zur Meinungsfreiheit einmal zu überprüfen. Nein, ich bin vollkommen in Übereinstimmung mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland, meinem Freund Paul Spiegel und Generalsekretär Kramer, die von einer niveaulosen Aktion gesprochen haben.

Herr Kollege, lassen Sie mich noch etwas sagen. Meine Familie und ich, wir haben jahrelang Angst gehabt vor dem jederzeit möglichen Gewalttod. Diese Angst war unser zentrales Lebensgefühl gewesen. Ich sinne seit gestern darüber nach, was wir damals wohl empfunden hätten, wenn die Zukunft voraussehbar gewesen wäre und wir von dieser Aktion gehört hätten. Ich glaube, wenn Santiago Sierra jemals in unserer Situation gewesen wäre, dann hätte er sich sein Pulheimer Machwerk verkniffen. Die gute Absicht, sollte er sie denn haben, entschuldigt ihn in meinen Augen jedenfalls nicht.
Das ganze Interview mit dem Deutschlandfunk: hier

8 Kommentare:

Anonymous Juebe meint...

Scheint wohl in gewissen Kunstkreisen "in" zu sein oder zu werden "Aktionen" durchzuführen, die angeblich die konventionellen Formen des Gedenkens (was immer das sein soll) in Frage stellen wollen.

Im Herbst 2003 haben in Berlin zwei junge Künstler ein Auschwitz-Projekt "Conservation Camp 02" gemacht, wobei u.a. der eine sich auf die Schienen, die nach Auschwitz führten, legte und in dieser Position fotografieren ließ.

Die beteiligte weibliche Künstlerin hatte ein Video produziert, wo in der ehemaligen Gaskammer Haare geschnitten wurden. Der Sinn des Ganzen:
"„Sarah Schönfeld (*1979) konfrontiert in ihrer Performance mit eben dieser Form von Nacktheit. Der Akt ihrer körperlichen Blöße und des Kahlscherens ihres Schädels im ehemaligen KZ wird zur Metapher einer Selbstvergewisserung, sich der historischen Realität und Verantwortung zu stellen."
http://www.copyriot.com/sinistra/discus/messages/211/75.html

Viel Geschwalle und nix dahinter!
Aber aus irgendeinem europäischen Fond gab es ganz schön Schotter für das Projekt.

1:10 vorm.  
Blogger Chajm meint...

Die Initiatoren sollten verstehen, dass man durch Verhöhnen der Opfer nicht gerade dem Zwecke dient. Der Bürgermeister der Stadt scheint voll von der Geschichte überzeugt zu sein und kann sich nicht vorstellen, dass sich jemand „beleidigt” fühlt. Ich kann nur dazu aufrufen, dass man der Stadt schreibt, was man davon hält.

10:10 vorm.  
Anonymous Anonym meint...

In der heutigen Ausgabe der Kölner Stadt-Anzeiger (www.ksta.de) sind ausführliche Berichte über diese ärgerliche Aktion. Ihr könnt auch unter www.ksta.de/forum-synagoge diskutieren.
Interessant ist, daß in der Zeitung eher positive Stimmen veröffentlicht wurden. Besonders befremdend für mich war, daß ein Freund (auch Jude) sofort einen überschwänglichen Brief an Dr. Morisse geschrieben hat. Sollte der Künstler seinen Ziel erreicht haben?

Elisabeth

10:30 vorm.  
Blogger Chajm meint...

Was für einen Brief? Affirmativ? Oder einen Protestbrief?

10:43 vorm.  
Blogger ElisabethBG meint...

Leider affirmativ. Er findet, daß ihm die Bedeutung von den Jom Kippur Gebeten, die er mit Gescher LaMassoret (Liberale Gemeinde Köln) dort gesagt hat, durch diese Aktion noch verstärkt werden und sein Gedenken an die Toten noch intensiver ist. Na ja, Freunde haben nicht immer die gleiche Meinung

Elisabeth

11:16 vorm.  
Blogger Chajm meint...

Aha... Befremdlich - irgendwie... womöglich bestärkt das den Bürgermeister noch in seiner bornierten Haltung. Ich bin froh , dass sich auch andere Juden dagegen ausgesprochen haben. Siehe Ralph Giordano...

11:26 vorm.  
Blogger ElisabethBG meint...

wdr 3 Videotext Tafel 122

Die Landesregierung NRW nimmt Stellung zu der Ausstellung in Stommeln; negativ!!!

5:58 nachm.  
Blogger ElisabethBG meint...

Aktuell um 20.Uhr
wdr3 Teletex S. 122
Die Ausstellung wird ausgesetzt

8:35 nachm.  

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