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Montag, Februar 27, 2006

Nichts passiert

Das ist genau das, was ich mir schon gedacht habe. Das Rauschen im Blätterwald ist groß, passieren tut aber nichts. Der Film mit den antisemitischen Szenen „Tal der Wölfe” läuft noch immer erfolgreich im Kino. Die Ausflüchte für die Untätigkeit sind zahlreich und genau genommen scheint es schon niemanden mehr zu interessieren.

In der ZEIT schreibt Susanne Gaschke schon einen fast entschuldigenden Text zu diesem Film:
Ich war mir in diesem Fall nicht sicher. Ich habe den Verdacht, dass für den deutschen Zuschauer unerträgliche Passagen - zum Beispiel jene Szene, die einen mörderischen, Organe stehlenden Arzt angeblich als Juden ausweisen - einfach nicht mit übersetzt worden sind. Aus dem Aussehen und Verhalten, aus dem Spiel des Darstellers ergibt sich dessen Judentum nämlich nicht - da hätte man, in filmischen Klischees, eher an Frankenstein, an den verrückten schwedischen Schurken aus einem James-Bond-Film oder den besessenen Nazi-"Wissenschaftler" gedacht. Solche Unsicherheit an so zentraler Stelle macht es nicht eben leicht, dem Rest des Films (und seinen Untertiteln) ohne grundsätzliches Misstrauen zu begegnen. Und vielleicht sollte man, ohne es selbst ganz genau zu wissen, sagen: Das reicht schon. Aber gehen wir mit jedem rassistischen Klischee, mit jedem hirnrissigen Ressentiment im Reich des Unterhaltungskinos genau so streng um, und vor allem: Gehen wir dagegen vor? Vielleicht sollten wir das, aber dann müssten wir viel Mist anschauen. ZEIT
Antisemitismus im Film ist nichts was man übergehen oder entschuldigen sollte. Wenn sich pöbelnde Zuschauer des Films demnächst vor einer jüdischen Einrichtung versammeln oder jüdisch aussehende Menschen anpöbeln, dann wird wieder viel darüber geredet, dass man mehr gegen den Antisemitismus in diesem Land tun müsse. In Berlin ist es keine Seltenheit, dass Juden von arabischen Jugendlichen angepöbelt werden. Im Ruhrgbiet waren es kürzlich Türkinnen mittleren Alters, die eine junge Frau anspuckten, weil sie eine jüdische Zeitung las. Das Argument „amerikanische Filme sind doch auch einseitig” zählt übrigens nicht, denken wir doch an den kategorischen Imperativ....

1 Kommentare:

Anonymous juebe meint...

Letzte Woche zu relativ später Stunde kam ich an einem Kinopalast vorbei, der eine - für diese Zeit und für mich - erstaunlich große Zahl an jungen Leuten ausspuckte. Es war genau dieser Film, der auf dem Programm stand. Die Argumente, die ich höre, laufen immer auf "Blockbuster" raus. Ich habe ihn noch nicht gesehen.

Ich erinnere mich letztes Jahr an den Film "Passion Christi". Da wurden die antijudaistischen Aspekte differenziert diskutiert und nur ein Publizist hat das Schlagwort "Blockbuster" in die Diskussion geworfen.

Abgesehen davon wissen wir gar nicht, was die migrantischen Jugendlichen sich via Satelitenschüsseln alles reinziehen. Da sind dann auch die jeweiligen Communities gefragt.

9:02 vorm.  

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