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Montag, Januar 02, 2006

Seltsame Figuren

Erinnert sich noch jemand an Wladimir Wolfowitsch Schirinowski? Das ist der Vorsitzende der LDPR (ein Blick auf die Website verrät, wer der „Führer” der Partei ist). Das Lexikon Rechtsextremismus fasst ganz gut zusammen, wodruch dieser Mann sich in den letzten Jahren profiliert hat:
Während sich Schirinowski in der Anfangszeit der Perestroika liberal und demokratisch gab, vertreten er und seine LDPR seit dem August-Putsch 1991 nationalistische und antiwestliche Positionen. Gefordert werden die Wiederherstellung des "Mutterlandes Russland" in den Grenzen des Russischen Reiches mit Finnland und Polen und darüber hinaus (so erklärte Schirinowski, seine Stiefel im Indischen Ozean reinigen zu wollen, sobald sich Russland bis dorthin ausgebreitet habe) und eine starke Zentralisierung der Russischen Föderation durch die Einführung von Generalgouvernements. 1999 verlangt Schirinowski ein Referendum zur Wiedereinführung der Monarchie mit der keineswegs ironisch geäußerten Absicht, 2008 als Wladimir I. den Thron zu besteigen.1999 rufen die Liberaldemokraten zur Unterstützung Serbiens durch die Entsendung von Freiwilligen in das Kosovo auf. Im Mai 2000 sorgten KP-Chef Sjuganow und Schirinowski für Empörung, als sie forderten, die Regierung solle mehr Aufmerksamkeit auf die ethnischen Russen verwenden.Die LDPR befürwortet das militärische Vorgehen in Tschetschenien und tritt gegen Verhandlungslösungen auf.

Zudem agitiert Schirinowski offen antisemitisch und antiamerikanisch: 1998 war eine Missbilligung der antisemitischen Hetztiraden des russischen KP-Abgeordenten General Albert Makaschow durch das Parlament am Widerstand der Kommunisten und der LDPR gescheitert. Kurz nach dem 11. September 2001 hatten Schirinowski und andere LDPR-Angehörige erklärt, hinter den Anschlägen stünden US-Geheimdienste. Schirinowski forderte, mit den Taliban und der islamischen Welt die amerikanische Expansion aufzuhalten. Im Zusammenhang mit den Doping-Skandalen bei den olympischen Winterspielen 2002 bezeichnete Schirinowski die Entscheidungen der Schiedsrichter als Rache an Russland für den Sieg im 'Vaterländischen Krieg'.

Zuletzt trat er als „Erklärer” der Unruhen in Frankreich auf und erklärte, der CIA habe dies alles organisiert, um Europa zu schwächen...


Warum steht das alles hier? Das wissen doch alle? Offenbar wird das in Rußland selber gesehen. Am Wochenende durfte ich einige Shows des ORT (das staatliche russische erste Programm) verfolgen und wunderte mich über einen Mann der ständig ins Bild geholt wurde und der mich an Wladimir Schirinowski erinnerte; irgendwann sagte man mir dann, das sei Wladimir Schirinowski...! Wie ich erfuhr, ist er ein beliebter Gast in russischen Shows, darf dort mit den Moderatoren sanft plauschen, den Arm von russischen Schlagersternchen ablecken, seinen Alkoholkonsum kommentieren und den lustigen Mann geben. Das russische Staatsfernsehen räumt also solchen Figuren des politischen Geschäfts Platz ein. Er war damit die einzige politische Figur, die während des Abends ins Bild gesetzt wurde - mit Ausnahme mit des omnipräsenten Putin (der auf seiner Jahrespressekonferenz 2004 den damaligen ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko vor „antirussischen und zionistischen Kräften“ (siehe DIE PRESSE) in dessen Umgebung warnte und dem er nun den Gashahn abgedreht hat und lassen wir außer Acht, das Chodorkowskis Vater Jude ist) der bei verschiedenen Gelegenheiten in Einspielern gezeigt wurde. Die politische Entwicklung dieses Landes (in dem rassistische und antisemitische Übergriffe stark zunehmen), sollte man wohl sorgfältigst beobachten.