/* Button ----------------------------------------------- */

Montag, Dezember 19, 2005

Was für ein Minjan... mit Frauen...

In einem Kommentar zu meinem letzten Posting schrieb ich, dass lediglich die Orthodoxie Frauen nicht mehr zum Minjan zählt. Darauf will ich als erstes eingehen, um dann auf Lilas Wunsch einzugehen. Sie wünscht sich gerne eine kurze Betrachtung darüber, warum Frauen heute zum Minjan gezählt werden.
Warum schrieb ich (absichtlich) lediglich? Weil tatsächlich lediglich 25% aller praktizierenden Juden der Welt Orthodox sind. Vermutlich wird es noch knapper, wenn man alle Juden in diese Statistik miteinbezieht. Kann man sagen, die Hälfte aller Juden ist übrhaupt nicht religiös? Wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Wir sprechen aber nur über die religiösen Juden. Dennoch ist es bemerkenswert, was für ein gutes Marketing die Orthodoxie betrieben hat. Viele (vor allem die nicht nicht-observanten) Jüdinnen und Juden (aber auch viele interessierte Nichtjuden) sind davon überzeugt, die Orthodoxie sei so eine Art Standardjudentum und alle anderen Strömungen nur Spielerei. Das ist ein neues Phänomen das mit der Radikalisierung der Orthodoxie einhergeht. Lud der ehemalige Oberrabbiner des britischen Königreiches Joseph Herman Hetz noch Reformrabbiner zu einem Gedenkg-ttesdienst an König Gerog V. ein, so versprach der heutige Oberrabbiner Londons, dass er den 1997 verstorbenen großen Reformrabbiner Hugo Gryn nur als Holocaust-Überlebenden würdigen würde, nicht aber als Reformrabbiner. Man verkauft sich als Wahrer des einzigen authentischen Judentums (die Selbstnbezeichnung Torahtreu spricht Bände) - im Gegensatz zu allen anderen Gruppen, die bestenfalls Ketzer sind. Dabei sieht man aber gerne darüber hinweg, dass das Judentum nie eine homogene Gruppe oder Glaubensgemeinschaft warund das es die Pharisäer waren (die aufmüpfigen Reformer), die das Judentum gerettet haben.

Zurück zur Minjanfrage. Auch da verweise ich gerne auf einen Text von Mirjam Lübke, der sich sehr ausführlich mit dem Stand der Frau im Judentum beschäftigt. Für eine erschöpfende Darstellung, warum Frauen heute in konservativen Synagogen zum Minjan gezählt werden, verweise ich auf den Beitrag: Can women count in a minyan . Hier ein Auszug aus Mirjams Artikel:
Im Familienrecht gab es seit dem 11. Jahrhundert durch aufgeschlossene Rabbiner wie Rabbenu Gershom große Fortschritte. Raschi befürwortete ein freiwillige Teilnahme an zeitgebundenen Gebeten, Simcha von Speyer zählte Frauen zum Minjan (Mordechai Berachot 158). Erst die Rezeption der Werke von Moses Maimonides seit dem 13. Jahrhundert durch die aschkenasischen Gelehrten trug dazu bei, eine stärkere Einschränkung der jüdischen Frau im öffentlichen Leben herbeizuführen. Der Rambam, dessen großartige ethische Abhandlungen begeistern, hatte Frauen gegenüber eine äußerst konservative Haltung und wollte sie am liebsten "im Hause in einer Ecke sitzen sehen"(siehe dazu Avraham Grossman, The Status of Jewish Women in Germany (10th - 12th Centuries), in Carlabach, s.o., S.17-36). Es ist bekannt, dass er in engem Kontakt mit konservativen islamischen Theologen stand, die ihn mit ihrer frauenfeindlichen Auslegung der eigenen Quellen entscheidend beeinflussten. Wie gesagt, der Auslegung, denn beide Religionen sind nicht per se frauenfeindlich.