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Montag, November 28, 2005

Neue Gemeinde in Magdeburg

Wie die neue „Jüdische Zeitung" schon in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, hat sich in Magdeburg eine neue „Liberale jüdische Gemeinde zu Magdeburg“ gebildet (siehe auch einen Bericht aus der Magdeburger Zeitung Volksstimme Magdeburg. Wie die russischsprachige Zeitung „Jewrejskaja Gazeta" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, definiert man dort Liberal als Judentum, das ganz ohne Kaschrut auskommt und bei dem man am Schabbat arbeiten darf. Es ist als positiv zu bewerten, wenn sich endlich nicht-orthodoxe Initiativen bilden, doch wird es bei all denen schwierig, die in erster Linie aus politischen Gründen ihr Heil in einer liberalen Gemeinde suchen, denn darunter leidet doch als erstes das Ansehen der liberalen Bewegung.

6 Kommentare:

Anonymous Anonym meint...

Also ich seh da kein Problem. Diese zwei Aussagen stimmen ja mit dem altliberalen Programm, z.B. im Deutschland des 19. Jahrhunderts oder der Pittsburgh Platform von 1885 überein. Fehlt nur noch die Orgel.

9:15 vorm.  
Blogger Chajm meint...

Ist es aber denn nicht so, dass beide Positionen heute als überholt gelten? Die Pittsburgh Platform bekräftigt noch einmal, was seit 1945 langsam wieder gang und gäbe ist. Eine Rückbesinnung auf die wichtigen Funktionen, die Schabbat und Kaschrut für das Judentum erfüllen. Ich will niemandem Unrecht tun, aber in der Regel klingt das schon sehr arg nach einer Ausrede um nicht auf diese Dinge achten zu müssen.

10:34 vorm.  
Anonymous Anonym meint...

Hallo Chajm,


Leider gelingt es mir nicht, anders als als "anonymous" zu schreiben.Ich bin "ein Jude" von Lilas Blog.

Also die Pittsburgh Platform die du erwähnst, ist die von 1999, die eine gewisse Rückbesinnung betont, ganz im Sinne von Reformrabbinern wie Günther Plaut.

Die ursprüngliche Reformidee war ja aber, dass "rituelle" Gebote wie Kashrus nur für die biblische Zeit gelten sollten, die "moralischen" hingegen ewig. Diese Meinung teile ich zwar persönlich nicht, aber wenn die Magdeburger dass so sehen, stehen sie damit in einer Tradition. Man könnte nun sagen, und das tue ich auch, dass bereits im 19. Jahrhundert diese Theorie eine Ausrede war.

Im heutigen liberalen Judentum ist es ja so, dass jeder selbst wählen kann, welche Gebote er hält ("informed choice"). Das gilt ja auch für die "moralischen Gebote", da z.B. Homosexualität in liberalen Gemeinden sehr gut akzeptiert ist. Insofern ist die Theorie heute eine andere als vor 100-150 Jahren. Hashem emes v'Toraso emes ist es natürlich trotzdem nicht, da sowohl das heutige als auch das frühere liberale Judentum sich ausdrücklich auf die Dokumentarhypothese berufen.

5:46 nachm.  
Blogger Chajm meint...

Hallo nochmal,
so plakativ kann man das nicht sagen, was Gegner der Reform natürlich nicht davon abhält, immer wieder zu behaupten, es gäbe "Hashem emes v'Toraso emes" im Reform/liberalen Judentum nicht. Geiger stellte anfänglich die moralischen Werte über die "rituellen", woraus man aber gelernt hat, denn Israel wird ja aus allen Aspekten zusammengehalten. Wenn man sich auf diese frühen Strömungen bezieht, wird man ganz schnell ein Problem haben...
Die Responsen auf http://ccarnet.org/ werden Dir zeigen, das das moderne Judentum einen Weg geht, der aus der Tradition heraus lebt...
Aber ich will den Magdeburgern ja nichts unterstellen... das liegt mir fern...

8:35 nachm.  
Anonymous Anonym meint...

Hallo Chajm,

Ich will nicht behaupten, dass die Torah nicht auch bei den Liberalen eine zentrale Rolle spiele. Dass aber durchaus die Ansicht zumindest weit verbreitet ist, dass die Torah gemäss Dokumentarhypothese zustande kommen ist (J,P, E und D), im Gegensatz zum orthodoxen Verständnis vom Matan Torah, ist aber nicht abzustreiten. Auch sind sich eigentlich alle Liberalen darüber einig, dass Dinge wie Mamzerus heute nicht mehr aktuell sind, was ebenfalls eine anderes Torahverständnis als bei den Orthodoxen zeigt.

9:20 nachm.  
Anonymous Adi meint...

Shalom, ich finde, dass Chajm in mit seinem Kommentar, diese Aussagen wären kontraproduktiv durchaus recht hat.

Liberales Judentum ist kein Judentum light. So definiert es sich heute auf jeden Fall nicht mehr. Zudem ist ein genereller Vergleich mit den USA auch nicht so einfach, da das liberale Judentum, welches gerade in Deutschland am wiederentstehen ist, durchaus eigene Charakterzüge hat, die man als eher "traditioneller" bezeichnen kann.

Ich glaube aber, das die Aussagen einiger Mitglieder der neuen Gemeinde eine Ursache darin haben, dass sich in den Einheitsgemeinden die orthodoxen Rabbiner immer weiter von den Mitgliedern entfernt haben. Viele fühlen sich durch die regieden Vorschriften, die sie nicht nachvollziehen können, drangsaliert und eingeengt.

Den liberalen Gemeinden ist es gelungen, ein positves, dem modernen Menschen offen entgegenkommendes Judentum zu definieren.

Menschen können nur die Regeln des Kashruts befolgen, wenn diese auch eine positvien Wert für sie darstellen. Die meisten liberalen Gemeinden versuchen genau das zu erreichen. Tradition kann nur bewahrt werden, wenn jede Generation sie neu entdeckt/entdecken kann, ansonsten ist es nichts anderes als bedrucktes Papier zwischen zwei Buchdeckeln und heisst Schulchan Aruch.

Adi

9:45 vorm.  

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